11. August 2026

Ohne Fleiss kein Preis

Der BELMOT Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring stellt auch in diesem Jahr wieder das unübertroffene Highlight der historischen Motorsportsaison in Deutschland dar. Bereits zum 53. Male wurde er ausgetragen.

Starke Starterfelder voller legendärer Rennwagen, neue Programmbausteine und zahlreiche prominente Piloten sorgen für ein ebenso emotionsreiches wie abwechslungsreiches Wochenende. Von Vorkriegsrennwagen und Formel-1-Fahrzeugen über Sportwagen, GT und Tourenwagen bis zu jüngeren Prototypen spannt der Oldtimer-Grand-Prix drei Tage lang einen weiten Bogen. Auch das Wetter spielte uneingeschränkt mit, strahlender Sonnenschein und Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad ließen eine wahre Hitzeschlacht erwarten.

Zu den Höhepunkten zählt natürlich auch der 90-minütige Lauf zur Deutschen Historischen Automobil Meisterschaft, im Rahmen der Historic Championship 81. Diese trat in diesem Jahr, nach den Spa Summer- und der Nürburgring-Classic, bereits zum dritten Male an. Und mit ihr natürlich auch wieder das Team Kompressol-Racing. Hans Gerd Brauneiser und Marc Roessle wollten erneut die Lorbeeren für die harte Arbeit und den Einsatz des Teams einheimsen. So war der 1971er Weslake Ford Capri RS2600 LW nach dem letzten Einsatz erneut etwas verbessert worden. Man hatte leichte Optimierungen am Fahrwerk vorgenommen, um das Fahrverhalten noch positiver zu gestalten. Nun sollte sich zeigen, ob man in die richtige Richtung gearbeitet hatte.

Am frühen Freitagmorgen nahmen dann insgesamt rekordverdächtige 56 Fahrzeuge das Zeittraining auf. Aufgrund von Getriebeproblemen beim 300SEL 6.3 Mercedes war der Kompressol Ford Capri weiterhin als Solostarter in der 1971er Tourenwagen-Klasse über 2500ccm unterwegs. Allerdings waren es ganze 29 Fahrzeuge in der für die deutsche Meisterschaft relevanten Division II (Gesamtfahrzeuge bis 1971). Das konnte sich durchaus sehen lassen. Und genau auf diese Division hatte es das Kompressol-Team abgesehen.

So begann Hans Gerd Brauneiser elanvoll und routiniert, seine Runden zu drehen. Die Fahrwerksoptimierung war von Anfang an deutlich zu spüren, der Capri lenkte viel williger ein. So spulte Brauneiser problemlos seine Runden ab und übergab dann an Youngster Marc Roessle. Dieser legte ebenfalls stilsicher los, wurde aber kurz darauf von einem ausgefallenen Drehzahlmesser heimgesucht. Nanu, was war denn da los? Fern am Horizont sah man dann urplötzlich den Capri in der Boxengasse angerollt kommen. Mit letzter Kraft schleppte er sich zu seiner Crew, die natürlich gleich alles checkte. Man kam zu dem Ergebnis: Kein Strom mehr da, Batterie leer, vermutlich ein Problem mit der Lichtmaschine. Leicht bedröppelt musste man so gezwungenermaßen das Qualifying vorzeitig beenden. Pech gehabt.

Zurück im Fahrerlager kam dann schnell die Gewissheit: Lichtmaschine defekt! Man war quasi die ganzen Runden nur auf der Batterie gefahren, die nach und nach natürlich ihren gesamten Inhalt aufgebraucht hatte und leer war. Na wenn das alles ist. In Windeseile war eine neue Lichtmaschine installiert und die Batterie wieder aufgeladen. Ein kurzer Testlauf zeigte dann, alles wieder gut, neue Lima funktioniert, Batterie lädt. Prima, ohne Fleiss kein Preis.

Somit konnte man dann doch zuversichtlich in den Rennlauf am Samstagnachmittag gehen. Leider hatte man aber durch das vorzeitige aus im Training ein paar Dedern lassen müssen und nur den 27. Gesamtrang belegt. Dieser war allerdings immer noch gut für den 10. Platz von 29 Autos der Division II. Und so ging es dann bei gut 30 Grad Aussentemperatur am Samstag los in die 90-minütige Hitzeschlacht um Ruhm und Ehre.

Gleich zu Beginn konnte Startfahrer Brauneiser mehrere Positionen gutmachen, kämpfte sich durchs vordere Mittelfeld. Immer wieder gab es Unterbrechungen durch Full Course Yellow Phasen, bei denen Überholverbot gilt und das Tempo auf 60 km/h gedrosselt werden muss. Apropos Überholen, dies war inzwischen auch für Brauneiser zum Problem geworden, hatte er doch im ehemaligen Profi-Rennpiloten, Peter Oberndorfer, anscheinend seinen Meister gefunden. Runde um Runde machte der Starnberger keinen Hehl daraus, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und platzierte seinen Porsche 911 Carrera 3.0 so geschickt auf der Piste, das Brauneiser das Überholen einfach nicht gelang.

Nach Ende einer weiteren Full Course Yellow Phase war es dann aber der Kompressol-Capri Pilot, der einen Tick früher beschleunigte und mit Oberndorfer gleich zog. Nebeneinander feuerte man bergab, Richtung Goodyear-(früher Dunlop) Kehre. Und dann kam es, wie es kommen musste, es wurde einfach zu eng, ein kleiner Rutscher, eine Berührung, ein Dreher. Und zwar… leider von Brauneiser. Mit dem linken Heck touchierte er dabei noch den rechten, hinteren Kotflügel von Oberndorfer, der aber unbeeindruckt weiterfuhr. Dies tat nach einem kurzen Schlenker auch Brauneiser, der daraufhin auch gleich die Box ansteuerte, da das Boxenstoppfenster sich bereits geöffnet hatte.

So stoppte der Capri nach gut 32 Minuten zum Fahrerwechsel und Rundumcheck. Hierbei stellte man glücklicherweise fest, dass der Schaden nur oberflächlicher Natur ist, die wilde Hatz konnte also unbehelligt weitergehen. Nach genau drei Minuten Pflichtboxenzeit preschte Marc Roessle wie ein geölter Blitz zurück auf die Piste, bereit weiter Plätze im Klassement zu erobern. Mit konstant schnellen Rundenzeiten holte er Platz um Platz wieder auf. Ein wahrer Husarenritt. So war er eine halbe Stunde vor Rennende bereits auf den 20. Gesamtrang vorgefahren.

Zwischendurch schaute dann auch mal Peter Oberndorfer beim Team vorbei, zwecks Klärung des Vorfalls mit Brauneiser. Nach einem kurzen Austausch von Nettigkeiten einigte man sich dann umarmenderweise irgendwie doch auf ein freundschaftliches Unentschieden. Gehören ja mehr oder weniger immer Zwei dazu. Das zweideutige Zitat von Brauneiser…. man sollte seine Idole nie treffen!

Achso, Rennen wurde ja auch noch gefahren. Auf Rang 19 im Feld angekommen machte Marc Roessle inzwischen Jagd auf zwei Ford Escort RS1600 BDA, einer davon pilotiert vom amtierenden Vorjahresmeister. Nach kurzer Gegenwehr waren aber auch diese beiden Aspiranten einkassiert. Dies bedeutete Rang 5 von 29 in der Division II. Und noch war nicht Schluss. So konnte Roessle noch zwei 911er Porsche-Fahrzeuge einsacken, was letztendlich Rang 15 im Gesamtfeld bedeutete. Wow, was für eine Aufholjagd. Da die beiden Porsche in einer anderen Division starteten, blieb es am Schluss beim fünften Platz bei den 1971er Fahrzeugen.

So wurde der 2026er Oldtimer Grand-Prix als voller Erfolg mit Zufriedenheit beim ganzen Team gefeiert. Zu dem eventuell auch ein weiterer Faktor beigetragen hat, der nicht unerwähnt bleiben soll. So war der 1971 Weslake Capri RS2600 LW von Kompressol-Racing an diesem Wochenende zum ersten Male mit Aspen Classic Vehicle Fuel unterwegs, einem synthetischen Alkylatbenzin aus Schweden. Dieser Sonderkraftstoff wurde vom Hersteller beim Oldtimer Grand-Prix zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Und der Weslake-Motor verarbeitete seinen neuen Betriebsstoff absolut problemlos. Nach dem äußerst positivem Feedback beider Seiten und weiteren Gesprächen nach dem Rennen, dürfen wir gespannt sein, was sich daraus vielleicht noch entwickeln könnte. Spätestens beim nächsten DHAM-Lauf in Assen im September wissen wir mehr. Neu motiviert freuen sich Fahrer und Techniker auf die auf die nächste technische Verbesserung für den Capri, die bei diesem Rennen
Einzug in den Capri hält. Bis dahin.

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