30. September 2026

In Schlagdistanz

Alle Jahre wieder lädt die Ardennen-Achterbahn von Spa-Francorchamps ein, zum größten historischen Motorsportspektakel Belgiens, vielleicht sogar Europas. Die historischen Spa Six Hours fanden heuer bereits zum 33. Male statt. Ein absoluter Leckerbissen des Rennsports, der natürlich auch gut in Szene gesetzt werden will. Dazu gehört ein vernünftiges Rahmenprogramm. Und das gab es selbstverständlich auch. Denn der Veranstalter hatte sich nicht lumpen lassen und mehrere Hochkaräter eingeladen. Darunter natürlich die FHR Historic Championship und auch der Belcar Historic Cup. Kurz gesagt: Ring frei für das Team Kompressol Racing!

Zwei Wochen nach Assen war der Ford Capri noch nicht ganz abgekühlt und bereit ein weiteres Feuerwerk zu entfachen. Und auch der Ford Puma war rechtzeitig aus dem Lazarett entbüchst und startbereit für neue Großtaten. Die Bühne war bereitet, das Wetter bestellt, 20-25 Grad, Sonnenschein, kein Regen, absolut untypisch für diese Jahrerszeit in den Ardennen. Vielleicht ein gutes Omen.

Fangen wir mit dem Capri an. FHR Historic Championship 81, letzter Lauf zur deutschen historischen Automobilmeisterschaft. Hans Gerd Brauneiser und Marc Roessle hatten sich einiges vorgenommen. Der 1971er Weslake Capri RS 2600 LW war vom Team Kompressol Racing nochmals optimiert worden, speziell für die 7004 Meter durch den hügeligen Ardennen-Landstrich. Und endlich war man auch nicht mehr alleine in der Klasse. Der 300er 6,3 Mercedes musste leider für diese Saison die Segel endgültig streichen, dafür war diesmal ein aus Frankreich angereistes BMW E9 Coupé 2800 CS am Start. Endlich nicht mehr solo bei den Hubraum-Titanen der 71er Division.

Bereits bei den beiden 30-minüten Qualifikationseinheiten stellte sich jedoch heraus, dass der Mitbewerber aus Frankreich nicht viel mehr als ein Klassenfüller sein sollte. So legten Roessle und Brauneiser bereits im Training ein Polster von fast 10 Sekunden zwischen sich und dem BMW, was in der Startaufstellung ganze 28 Plätze im Gesamtfeld von 50 Fahrzeugen ausmachte. Dort war man auf Rang 16 im Gesamt gelandet, was außerdem Platz 4 von 25 Teilnehmern in der 1971er Division bedeutete. In Schlagdistanz zu den Top 3. Dort wollte man auch sein, um zum Saisonabschluss nochmal eine Zaubervorstellung abzuliefern.

Hans Gerd Brauneiser sollte den Tanz am Sonntag eröffnen. Mit einem sehr guten Start legte er die Basis für seinen Turn, konnte sich im vorderen Feld behaupten. Inzwischen hatte er bereits einen deutlichen Abstand zum BMW Coupé herausgefahren, als es plötzlich ungeahnte Probleme gab. War da ein merkwürdiges Geräusch das Brauneisers Gehörgänge umschwirrt? Auf einmal spürte er auch einen leichten Leistungsverlust oder war es nur Einbildung? Kupplung getreten, Konkurrenten ziehen lassen, Öldruck OK, Temperaturen OK, doch nur Einbildung? weiter! Läuft der Motor nicht doch etwas rau? Tat er! Die kurz darauf folgenden Geräusche waren dann lauter und teurer. Am Ende steuerte er eine Rettungsgasse neben der Strecke an und parkte den weidwunden Boliden dort sicher. Aus, vorbei, verdammt!

Ein DNF im letzten Lauf hatte wohl keiner auf der Rechnung, schon gar nicht Marc Roessle, der sich schwermütig damit abfinden musste, den Rest des Sonntags als Zuschauer zu verbringen. Nachdem der Capri geborgen und wieder im Fahrerlager war stellte sich heraus, dass eine gebrochene Ventilfeder der Übeltäter war. Also goldrichtig gehandelt, um einen kapitaleren Schaden zu verhindern. Schade. Als Trost bleibt, dass man der 1971er Gesamtspitze wiederum näher gekommen und jetzt quasi auf Augenhöhe war. Fortsetzung folgt in 2027.

Doch Stop, da war da noch noch was. Ja klar, der frisch genesene Ford Puma 1600 mit Simeon Roessle, bereit den Belcar Historic Cup aufzumischen. Auch er war diesmal nicht alleine in seiner Klasse. Der Toyota Yaris XP10 vom Saisonbeginn war wieder mit von der Partie, bereit den Federhandschuh Richtung Puma und Simeon Roessle zu werfen. Dieser hatte auch prompt daran zu knabbern, konnte der Toyota ihn nämlich im Qualifying tatsächlich bezwingen. Aber ruhig Blut, der Puma musste erst auf Betriebstemperatur kommen. Beim ersten Rennen am Sonntagmorgen sah die Sache schon wieder ganz anders aus. In kürzester Zeit kassierte Roessle den Yaris ein und machte nun Jagd auf weitere Mitbewerber.

Schlagartig wurde die Hatz jedoch unterbrochen, als sich ein E36 BMW etwas vehement zu Wehr setzte und dem Puma dadurch beachtlich nahe kam. Zu nah. Erneut wurde die (gerade frische reparierte) linke Seite etwas in Mitleidenschaft gezogen und somit der BMW Pilot in seine Schranken verwiesen. Mit leicht geknickter Karosse aber ungetrübtem Ego machten Roessle und der Puma weiter Jagd. Diese wurde dann nach 30 Minuten von der Zielflagge beendet. Klassensieg und P30 von 41 Teilnehmern lautete es am Ende.

Reparaturpause, im wahrsten Sinne des Wortes. In Windeseile wurde die angeknockte Wildkatze verarztet und für den zweiten Lauf präpariert. Und der ging so weiter, wie der Erste aufgehört hatte. In wildem Getümmel konnte Simeon Roessle jedoch dem schlimmsten entkommen und sich durchwuseln. Am Ende hatte er freie Bahn, konnte erneut den Toyota weit hinter sich lassen. Nach Fallen der Zielflagge stand dann endgültig fest, 2x P1 in der Klasse und die Ränge 30 und 22 im Gesamtfeld. Die Wildkatze und Roessle haben zu ihrer alten Stärke zurückgefunden, bereit für die letzte Schlacht im Oktober am Nürburgring.

Wir dürfen gespannt sein, was da noch so allen kommt.

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