
Stürmisches Auswärtsspiel
Am vergangenen Wochenende war dann auch endlich die Wartezeit für den Ford Capri des Teams Kompressol-Racing beendet. Nach vier Wochen „Sommerpause“ ging es in die nächste Runde der FHR Historic Championship 81 und somit auch der deutschen historischen Automobilmeisterschaft.
Einiges hatte sich getan, neue Verbesserungen und Evolutionen sind ins Fahrwerk des 1971er Weslake Capri RS2600 LW eingeflossen. Nun waren Hans Gerd Brauneiser und Marc Roessle heiß darauf, diese bei den ADAC Hansa Racing Days im niederländischen Assen vorzuführen. Assen, die Strecke die das Team im Kalender aus Sicherheits- und Vernunftsgründen auslassen wollte, aber aufgrund der Meisterschaft dann trotzdem mit in den Rennkalender aufgenommen hat. Hier wurden unverständlicherweise vom Betreiber / Organisator Reifenbarrieren in Auslaufzonen platziert, die bei kleinsten Fahrfehlern oder Rangeleien im Feld unvermeidbar zu katastrophalen Schäden an den historischen Fahrzeugen führen. Unser Tipp an die Verantwortlichen… Ahornbäume oder bunte Blumenkübel aus Beton an gleicher Stelle hätten den selben Effekt und würden die Strecke idyllischer wirken lassen!
Assen, da war doch was? Richtig, vor zwei Jahren war das Team hier bereits einmal erfolgreich gewesen, damals noch beim Belcar Historic Cup mit dem Sinziger Escort RS2000 und dem Ford Puma. An Streckenkenntnis sollte es also nicht mangeln. Doch bereits damals spürte man, daß die Nordsee nur gute 50km Luftlinie entfernt ist und daher die Wetterverhältnisse oftmals als recht tückisch und wechselhaft bezeichnet werden können. So auch diesmal. Ein ständiger Wechsel aus Sonne, Wolken, Wind, Nieselregen und sogar Nebel waren heuer an der Tagesordnung.
Und so war es nicht verwunderlich, dass es zu Beginn des 45-minütigen Qualifyings am Freitagmittag die Strecke komplett durchnässt war. Also Regenreifen aufziehen. Zum ersten Male dieses Jahr beim Ford Capri. Gespannt, was denn da jetzt noch kommen würde, rollte man zum Vorstart. Marc Roessle eröffnete den Regentanz. Und wie er das tat. Bei immer schneller werdenen Zeiten rieben sich einige Mitbewerber sowie Zuschauer verwundert die Augen, als sie den Capri plötzlich auf Rang 2 im Gesamtfeld erblickten. Roessle hatte den Dreh raus. Die Fahrwerksevolution hatte gezündet, fast tänzerisch, leichtfüssig bewegte er das 1971er Sportcoupé durch den Regen. Nach gut der Hälfte der Zeit übergab er dann an Hans Gerd Brauneiser, der ebenfalls fulminant loslegte. Allerdings begann die Strecke allmählich etwas abzutrocknen, jedoch weit entfernt von einer trockenen Ideallinie.
Doch dann urplötzlich, rote Flagge. Trainingsabbruch. Eine Porsche war mit der Leitschiene kollidiert und danach direkt neben der Strecke gestrandet. Alles zurück zur Box. Noch lag das Kompressol-Team auf einem hervorragenden dritten Gesamtrang. Eigentlich ging jeder davon aus, dass das Training damit beendet war, die Sensation mit P3 quasi perfekt.
Doch kurioserweise entschloss sich die Rennleitung dazu, nach einer längeren Reparaturpause das Qualifying wieder zu starten. Inzwischen war die Strecke abgetrocknet und es wurde auf Trockenreifen gewechselt. Unter diesen Umständen purzelten natürlich noch einmal die Zeiten, so dass die vermeintlich schnelleren Mitbewerber nun wieder am Capri vorbeizogen und diesen trotz Gegenwehr im Gesamtfeld etwas zurückspülten. So wurde es am Ende dann doch nur Rang 10 im Gesamtfeld. Schade, Sensation verpasst. Trotzdem war das Kompressol-Racing Team frohen Mutes, denn wie gesagt, die Updates funktionierten hervorragend, haben die Fahrbarkeit des Autos nochmal deutlich erhöht.
Das 50-minütige erste Rennen am Samstag sollte zeigen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Diesmal spielte auch das Wetter mit, strahlender Sonnenschein bei 20 Grad Aussentemperatur. Perfekte Bedingungen für einen gut aufgelegten Brauneiser, der die Hetzjagd eröffnen sollte. Gleich am Start legte er rasant los, konnte mehrere Positionen gut machen. Souverän manövrierte er das Gefährt um die Kurven des traditionellen Rennkurses, der einst als reine Motorradstrecke konzipiert war. Nach einigen harten, aber fairen Zweikämpfen steuerte Brauneiser dann die Box an, zum Pflichtstopp und Fahrerwechsel. Routiniert wurde dieser vom Team absolviert und Marc Roessle auf die Weiterreise geschickt. Aufgrund einer gut ausgetüftelten Strategie konnte er weiteren Boden und Plätze im Gesamtfeld gutmachen. In der letzten Rennrunde kämpfte er noch einen Mitbewerber in der 1971er Division, auf Ford Escort RS1600 nieder und sah damit als Gesamt 7, sowie als Zweiter in der 71er Division (die für die deutsche Meisterschaft relevant ist) das Ziel. Der Klassensieg war damit natürlich auch gesichert. Top Job, starke Leistung. So kann es weitergehen.
Und es ging weiter, denn,… anders als bei den vorherigen Veranstaltungen waren die Rennen in Assen nicht nur kürzer. Nein, es gab auch ein Zweites davon! So nämlich am Sonntagmittag. Und da war er wieder, der Wettergott mit Nordseeeinfluss. Bewölkter Himmel, kurze Schauer, Windböen, alles war dabei am Sonntag. Na das kann ja heiter werden, sieht nach einem stürmischen Auswärtsspiel aus. Kurz vor dem Start zum 60-minütigen Rennen klarte es dann doch noch auf, blieb also trocken.
Auf zur zweiten Runde, wieder sollte Brauneiser eröffnnen. Erneut kam er am Start gut weg, konnte sich mit Kontakt zur Spitzengruppe im Feld festsetzen, hatte jedoch heftig mit einem 1971 Porsche 911ST zu kämpfen, der wohl irgendwie der Meining war, unbedingt am Weslake Ford Capri vorbei zu müssen. Nach einigen Runden war dieser jedoch mürbe gemacht und ließ abreißen, sodass Brauneiser danach die Augen aus dem Rückspiegel nehmen konnte. Und Schwuppdiwupp war wieder Boxenstopp angesagt. Brauneiser raus, Roessle rein und weiter geht’s. Wie auf Schienen umrundete der Kompressol-Capri die 4,555km lange Piste. Marc Roessle hatte einen guten Rhythmus gefunden, der ihn, begleitet von einer erneut cleveren Taktik und ausserdem einigen Missgeschicken anderer Teilnehmer, wiederum weiter nach vorne spülte. Am Schluss war es dann Rang 8 im Gesamtfeld, was gleichzeitig Platz 3 in der 1971er Division plus Klassensieg bedeutete.
Starker Gesamtauftritt des Teams Kompressol-Racing. Wieder einmal sammelte man wichtige Punkte für die Meisterschaft, die in zwei Wochen, im Rahmenprogramm der berühmten Spa Six Hours ihr Saisonfinale bestreiten wird. Dort dürfen wir dann gespannt auf mehr sein.